Die GEWOG Wohn(t)räume in der Revitalstrasse – v2.0

Da unser Artikel: „Die Revitalstrasse in Aspach: Wo Wohnträume so schnell wachsen wie die Preise“, erschienen am 15.05.2026, einige Tage danach, und zwar am 18.05.2026, von der GEWOG in Ranshofen beanstandet wurde, ich mit rechtlichen Konsequenzen aufgrund Verbreitung von Unwahrheiten und urheberrechtlich geschütztem Bildmaterial, konfrontiert wurde, haben wir den Bericht vorerst entfernt und die Daten einer genauen Prüfung unterzogen. So kommt es nun zu einer Version 2 des Artikels.

Mittlerweile kam auch ein persönliches Treffen mit der Projektleitung bzw. Geschäftsführung der GEWOG Ranshofen zustande.
Da ich es aus reinen Prinzipien leider ablehnen musste, meinen Artikel vorab von der GEWOG redigieren zu lassen, darf ich aus unserem Gespräch nicht zitieren. Gut, ohne Verschwiegenheitserklärung (NDA) könnte ich das rechtlich gesehen natürlich schon – aber man hat ja Anstand. Das vertrauliche Wort bleibt also vertraulich. Schade eigentlich.

Nun zum Thema:


Definieren wir nun den Bauträger die GEWOG (Gemeinnützige Wohnbau GesmbH):

Definition aus dem FirmenABC: Gemeinnütziger Bauträger, insbesondere Errichtung und Verwaltung von Wohnungsanlagen im eigenen und fremden Namen sowie Schaffung von Wohnungseigentum und Mietwohnungen.

Von der Webseite der Wohnbaugruppe: Gemeinnützige Bauvereinigungen haben die Aufgabe, im Dienst der Allgemeinheit Wohnungen zu bauen, zu sanieren und zu verwalten. Sie müssen von der zuständigen Landesregierung als gemeinnützig anerkannt werden. Solche Bauvereinigungen müssen einem Verband angehören, der eine regelmäßige genaue Prüfung der Geschäftstätigkeit durchführt. Sie unterliegen auch der Aufsicht der Landesregierung. Gemeinnützige Bauvereinigungen bauen überwiegend Wohnungen, die nach den Wohnbauförderungsgesetzen der Länder gefördert werden. Daher müssen für Miete oder Kauf einer Wohnung auch die Förderungsbestimmungen eingehalten werden. Für die Vermietung von „Genossenschaftswohnungen“ gilt nach dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) grundsätzlich das Prinzip des kostendeckenden Entgelts. Das bedeutet, dass die Bauvereinigung in der Regel nicht mehr, aber auch nicht weniger verlangen darf, als die Kosten des Bauvorhabens – nach einer genauen Abrechnung – ausmachen. 

Im Umkehrschluss wiederum heißt das, die GEWOG verdient sozusagen „nichts“ (kostendeckendes Entgelt). Wie genau das im Prinzip aufgeschlüsselt ist, muss jeder selbst herausfinden. Ich will darauf hinaus, dass sich die GEWOG mit den zu zahlenden Kosten quasi nicht bereichert – alleine schon, weil sie das per Gesetz nicht dürfen!


Ein immenser Preistreiber bei diesen Gebäuden (und nicht nur da) ist der massiv gestiegene Baukostenindex:

  • Im Jahr 2021 stiegen die Kosten in etwa um ca. 10%
  • 2022-2024 setzen die massiven Materialkostensteigerungen und Lohnanpassungen im Baugewerbe noch einen drauf
  • 2025 bis heute hat sich der Index (Mai 25 – Mai 26) um weitere 5,6% erhöht

Über den gesamten Zeitraum von Anfang 2021 bis Mitte 2026 betrachtet, haben sich die reinen Baukosten (Material und Arbeit) kumuliert um über 30 bis 40 % verteuert, abhängig von der genauen Bauweise und den verwendeten Gewerken.

Grundstückspreise:

  • In Aspach (PLZ 5252) liegen die durchschnittlichen Grundstückspreise für Bauland derzeit zwischen 149 €/m² und 160 €/m².
  • Im Jahr 2020 lagen die Grundstückspreise (Bauland) in der Gemeinde 5252 Aspach im Durchschnitt bei rund 45 €/m².

Wenn ich bei meinem Kontostand innerhalb 6 Jahren eine Steigerung um das Doppelte haben würde, wäre dies natürlich wunderbar – bei Beschaffung eines Wohnraumes ist das allerdings die falsche Richtung.

Betrachtet man dies mit den Kosten von 2020, wäre der Grundstückspreis in etwa ein Drittel, und die Baukosten zwei Drittel der aktuellen Summe.


Um die Preissteigerungen zu veranschaulichen, hier eine fiktive Modellrechnung auf Basis durchschnittlicher Werte…

  • Neuer Grundstückspreis (nur ein Drittel): 130.900 € / 3 = 43.633,33 € (Der Quadratmeterpreis sinkt damit auf ca. 62,33 €)
  • Neue Baukosten (35 % geringer): Wenn der Index um 35 % sinkt, betragen die Baukosten nur noch 65 % des ursprünglichen Wertes. 309.100 € * 0,65 = 200.915,00 €

Unter diesen deutlich günstigeren Bedingungen würde das gesamte Projekt
(Grundstück + Haus) also 244.548,33 € kosten.
Das entspricht einer Erhöhung von knapp 195.450 € im Vergleich zum Bau aus 2020.


Ich werde hier keine Partei für die GEWOG ergreifen, aber aufgrund dieser Daten ist der angeführte Kaufpreis nachvollziehbar.
Woher die immensen Steigerungsraten der letzten Jahre gekommen sind und nach wie vor kommen, wissen so gut wie alle, dazu muss man nur Zeitung lesen oder Nachrichten schauen.

Wie hätte man da jetzt die Kosten geringer halten können?

Variante 1: Theoretisch hätte die Gemeinde die Grundstückspreise niedriger halten können, da wir in weiterer Folge mindestens 16-24 Personen mehr Zuzug in Aspach ermöglichen hätten können, oder einen Abgang um diese Personen reduzieren können. Das jedoch ist nur theoretisch möglich, da dahinter auch der Ankauf, die Aufschliessung, Parzellierung und viele weitere Dinge stehen, die den Preis nach oben treiben.

Variante 2: Die GEWOG hat mit Ihrem Dasein und der Definition Ihrer Daseinsberechtigung solche immense Erfahrungswerte, dass sie an dieser Stelle möglicherweise nachdenken hätte sollen, ob nicht Mehrparteienhäuser mehr Sinn ergeben hätten, da man die gestiegenen Kosten besser hätte aufteilen können. Allerdings ist das nur eine Denkweise von mir, möglicherweise wäre dies gesetzlich oder aufgrund der Widmung nicht möglich gewesen. Eventuell gibt es da auch noch andere Gründe.

Variante 3: Vielleicht hätte es auch private Interessenten gegeben. Wobei dies vermutlich eher unrealistisch ist, da auf Nachfrage hier eine negative Antwort gekommen ist.

Auch wenn die Preise aus dieser Betrachtungsweise nachvollziehbar und rechtens sind, wird es für die kommende Zeit vermutlich so bleiben, wie im letzten Beitrag schon beschrieben:

Die Revitalstrasse – ein Ort mit Weitblick – vor allem, wenn man aus dem Fenster sieht und weit und breit kein Nachbar den Blick verstellt.

Wer weiß, irgendwann werden diese Häuser schon verkauft, alternativ wird auch an einem Plan B gearbeitet. Schade ist es trotzdem, dass es sich viele nicht leisten können, diese Möglichkeit sofort zu nutzen. Bedarf wäre alleine schon innerhalb der Gemeinde da.



Und zum Schluss noch eine persönliche Meinung:
Am Ende bleibt ein Gedanke für die Zukunft: Gemeinde und gemeinnützige Bauträger wie die GEWOG sitzen beim Thema Wohnraum im selben Boot. Das gemeinsame Ziel sollte es sein, Wohnraum zu schaffen, der für ansässige Familien und junge Zuzügler auch tatsächlich leistbar bleibt. Wenn sich alle Verantwortlichen an einen Tisch setzen und bestehende Konzepte überdenken, ließe sich mit Sicherheit eine Strategie entwickeln, die diesem wichtigen Anspruch wieder voll und ganz gerecht wird.

Dieser Vorschlag soll mit einem Schmunzeln betrachtet werden:
Vielleicht bietet das nächste Bauvorhaben am Areal des noch stehenden Kurheimes Raum für Innovationen.
Sollte der Baukostenindex weiter so sportlich klettern, empfehle ich ein visionäres ‚Premium-Glamping-Konzept‚:
Wir stecken einfach 20 m² große Parzellen ab und stellen hochwertige Zelte auf. Das schont die Baukosten, ist extrem klimafreundlich und man hat garantiert immer genug Frischluft.


Quellenangaben: